Was verstehe ich unter Resilienz (Widerstandsfähigkeit)?
Resilienz bedeutet nicht, dass einem nichts passieren kann. Sie bedeutet auch nicht, dass Belastungen spurlos an einem vorbeigehen. Vielmehr beschreibt Resilienz die Fähigkeit, mit Belastung umzugehen, Unterstützung zu nutzen, Erfahrungen zu integrieren und sich nach Krisen wieder zu stabilisieren. Und selbst diese Fähigkeit ist kein fester Zustand. Sie ist dynamisch, veränderbar und abhängig von Lebensphase, Kontext und Belastung. Überraschende Ereignisse können jedes System aus dem Gleichgewicht bringen – auch ein sehr stabiles. Trauma lässt sich nicht vollständig vermeiden. Leben bedeutet Unvorhersehbarkeit, Beziehungen bedeuten Verletzlichkeit und Veränderung bedeutet Unsicherheit. Resilienz besteht daher weniger darin, unangreifbar zu sein, sondern darin, Wege zu entwickeln, mit dem Unvermeidbaren umzugehen.
Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen – nicht nur in Krisen, sondern kontinuierlich.
Ich weiß, wie und wann ich reagieren sollte. Ich bin vorbereitet. Ich kenne meine empfindlichen Stellen und weiß, wo ich anfällig sein kann. Resilienz ist für mich daher eher eine Form von Reaktionsfähigkeit und innerer Aktivität – nicht passives Ausgeliefertsein. Resilienz bedeutet, sich selbst so gut zu kennen, dass man unterscheiden kann, was echter Schutz ist – und was nur ein altes Muster. Selbsterkenntnis schafft Resilienz.