Mein wissenschaftlich-psychologischer Ansatz
Ich vertrete einen Ansatz, der durch eine spezifische Schwerpunktsetzung meiner Praxis PSIPV ein besonderes Profil verleiht, und der psychologisch-emotionale Prozesse mit biologisch-chemischen und medizinischen Erkenntnissen verbindet sowie es versucht, diese ganzheitlich anzuwenden. Ein solcher integrativer Zugang wird in der therapeutischen Praxis jedoch weit seltener genutzt, als ich es nach meinem besten Wissen und Gewissen für die von mir angesprochene Klientel von mir für angemessen und notwendig halte*. Der Ansatz lässt sich individuell auf verschiedene emotionale Probleme anwenden.
*siehe hierzu Abschitt “Zur Klarheit und Abgrenzung”, unten auf dieser Seite
Emotionale Probleme und Herausforderungen – mein Zugang im Spiegel der neuesten Forschung
Für mich ist es wichtig, dass meine Klientinnen und Klienten die Möglichkeit bekommen, ihr Empfinden, ihr Erleben und ihre Situation bewusst zu betrachten – statt nur darin festzustecken oder gar nicht zu erkennen, was eigentlich geschieht.
Dieser bewusste Moment, eingebettet im Prozess Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion ist der erste Schritt, den ich Selbsterkenntnis nenne**. Er öffnet den Weg zu Veränderung: Erst wenn wir verstehen, was in uns wirkt, können wir beginnen, damit zu arbeiten – nicht nur gedanklich, sondern auf tieferen Ebenen.
** Der in der Psychologie weit verbreitete Begriff der Selbsterkenntnis umfasst zahlreiche Facetten und wird in der Fachliteratur auf unterschiedliche, oftmals komplexe Weise beschrieben. In meiner Arbeit greife ich auf eine eigene, jedoch wissenschaftlich begründete Definition und Sichtweise zurück, die mir sowohl als praktische Orientierung als auch als persönliche Hilfe dient.
Viele sagen:
„Ich weiß, was mein Problem ist und warum ich so denke – aber ich kann nichts dagegen tun.“
Und das stimmt: Nur mit Denken und Reden allein lässt sich oft keine dauerhafte Veränderung erreichen. Doch es gibt Wege, die über das rein Kognitive hinausgehen – Methoden, die auch den Körper, die Emotionen und das Nervensystem einbeziehen. Diese Methoden verwende ich in meiner Arbeit, um festgefahrene Prozesse zu lösen und den inneren Fluss wieder in eine günstigere Richtung zu lenken.
Es kommt Ihnen bekannt vor, richtig? Von Zuhause, von der Arbeit, aus Gesprächen mit der besten Freundin, aus Whatsapp-Nachrichten usw.:
„Ich fühle mich hilflos, obwohl bei mir eigentlich alles in Ordnung ist – ich habe ein schönes Zuhause, Familie, einen guten Job, und doch fehlt etwas.“
„Ich fühle mich so verloren, finde meinen Weg nicht.“
„Ich bin ständig müde, obwohl ich versuche, ein ausgeglichenes Leben zu führen.“
„Als wäre ich nicht ich selbst.“
„Du bist so anders.“
„Ist bei Dir alles in Ordnung?“
„Wenn ich Dir etwas sage, gehst Du sofort in Verteidigungsmodus – obwohl ich Dich gar nicht angegriffen habe/wollte.“
Wenn „eigentlich alles in Ordnung“ ist – und sich trotzdem etwas nicht stimmig anfühlt.
Manchmal fühlen wir uns leer, erschöpft oder verloren – obwohl alles „gut“ aussieht. Wir haben ein Zuhause, eine Familie, Erfolg im Beruf – und doch fehlt etwas. Diese Empfindungen sind kein Zufall.
oder aber
Wir wissen oft genau, was uns belastet – und haben schon vieles versucht, um es zu verändern oder in unser Leben zu integrieren. Wir merken, dass es mit Vernunft und Willenskraft allein nicht geht.
Manche Muster lassen sich nicht durch reines Nachdenken oder Wollen lösen, weil sie tief im Nervensystem verankert sind – dort, wo unser Körper alte Erfahrungen speichert, lange bevor wir sie bewusst verstehen können.
Unser Nervensystem erinnert sich –
nicht nur an Dinge, die wir längst vergessen haben,
sondern auch an Erfahrungen, von denen wir gar nicht wussten,
dass sie prägend waren.
Manchmal sind es Erlebnisse, in denen wir uns nicht verstanden, nicht gesehen oder nicht willkommen fühlten –
Momente, in denen wir gelernt haben, bestimmte Seiten von uns zu verstecken,
um dazuzugehören oder sicher zu sein.
Auch Eigenschaften, Ausdrucksformen oder Lebensweisen,
die von anderen abgewertet oder verletzt wurden,
können sich tief im Nervensystem einprägen und unser Empfinden bis heute beeinflussen.
Solche Prägungen sind keine Schuld oder Schwäche –
sie sind Spuren dessen, was wir erlebt haben.
Und sie lassen sich verstehen, anerkennen und – Schritt für Schritt – lösen.
Manches scheint uns vertraut, doch wir erkennen nicht, wie wichtig es war.
Und anderes ist völlig unbewusst, obwohl es tatsächlich passiert ist – und bis heute in uns nachwirkt.
Manchmal genügt also eine Kleinigkeit – wie ich immer, halb im Spaß, halb im Ernst sage, eine vorbeifliegende Fliege, die wir vielleicht nicht sehen oder hören – und das Nervensystem reagiert, als würde etwas Bedrohliches geschehen und etwas in uns gerät in Bewegung. Solche Reaktionen entstehen nicht aus Schwäche, sondern aus der Natur der menschlichen Biologie. Und es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen.
Wie wahr das ist, merkt man leicht, wenn man nur an eine bevorstehende Prüfung oder ein großes familiäres Ereignis denkt: Unser Herz beginnt schneller zu schlagen, der Magen zieht sich zusammen. Wer sich ein wenig in der Biologie auskennt, weiß: Alles wird vom Nervensystem und den Hormonen gesteuert. Oft genügt schon ein einziger Gedanke – und die Hormone reagieren sofort, was wir an körperlichen Zeichen unmittelbar spüren.
Dasselbe gilt auch für jene Hormone, die unseren emotionalen Zustand beeinflussen: Ein Gedanke, eine Farbe, ein Duft, eine Melodie oder eine Empfindung auf der Haut – all das kann unser seelisches und körperliches Befinden verändern, im Positiven wie im Negativen.
Wenn wir von Automatismen sprechen, meinen wir nicht nur bewusste Gedanken oder Reaktionen auf etwas klar Wahrnehmbares. Vieles geschieht unbewusst – etwa dann, wenn wir uns plötzlich angespannt fühlen, ein „komisches Gefühl“ haben oder denken: „Irgendetwas stimmt nicht, ich habe so ein schlechtes Gefühl.“ In solchen Momenten ist tatsächlich etwas passiert, auch wenn wir nicht benennen können, was genau. Unser Bewusstsein nimmt es nicht wahr, doch unser Nervensystem hat längst reagiert. Selbst wenn wir abends ruhig im Bett liegen, den Tag gedanklich abschließen und wissen, was morgen auf uns wartet, kann im Körper eine feine Unruhe spürbar bleiben. Denn die feinsten Signale und Veränderungen, die uns entgehen, werden vom Nervensystem präzise registriert – lange bevor sie in unser bewusstes Erleben dringen. Dabei ist eines besonders zu beachten: Automatismen erzeugen Gedanken und Gefühle, die wir im jeweiligen Moment wahrnehmen und interpretieren. Diese inneren Vorgänge wirken sich direkt auf unser Verhalten aus. Dieses Verhalten wiederum dient anderen als Grundlage, uns als Mensch einzuordnen – meist vereinfacht, verzerrt und selten zu unserem Vorteil. Nur wenige Mitmenschen reflektieren tiefgehend und empathisch, insbesondere wenn keine enge Beziehung besteht oder das Gegenüber selbst ähnlichen Mustern folgt. Statt zu erkennen, dass eine Reaktion nicht unser Wesen ist, sondern etwas, das wir erleben, wird sie mit unserer Identität gleichgesetzt. So wird unsere Rolle und Bewertung von außen schnell festgeschrieben und scheint beinahe vorbestimmt.
Sehr ähnlich sind:
“Früher war doch alles viel besser.”
Ein Sich-Einfügen in das Leben, in die Gegenwart – und zugleich eine Konfrontation mit der Unmöglichkeit des Annehmens.
Die Sehnsucht nach der Vergangenheit – das Gefühl, etwas verloren zu haben. Ich beobachte oft, dass Menschen vorschnelle Entscheidungen treffen – in Beziehungen, im Beruf oder in ihrer Lebensgestaltung. Der Ursprung liegt häufig in einem inneren Empfinden, das uns glauben lässt: Früher war alles einfacher, schöner, klarer. Doch auch damals gab es Herausforderungen – vielleicht haben wir sie nur anders erlebt oder nicht als solche wahrgenommen. Mit der Zeit verklärt sich die Vergangenheit. Zurück bleibt das Gefühl, etwas verloren zu haben. Unsere Vorlieben, unsere Motivation und das, was wir als angenehm oder erfüllend empfinden, verändern sich fortlaufend im Gehirn – sie folgen sozusagen einem inneren Rhythmus. Doch ein einzelnes prägendes Ereignis oder kann sich tief einbrennen und dazu führen, dass wir in bestimmten Situationen auf unerwartete Weise reagieren. Manchmal formen sich unsere Vorlieben und Abneigungen, schlechte/gute Gedanken oder Gefühle nicht aus großen Erfahrungen, sondern aus der zufälligen Begegnung völlig unabhängiger Ereignisse, die sich unbemerkt miteinander verweben. Wir fühlen uns also nicht wohl, wissen aber nicht, warum. Die Ursache bleibt uns unklar, und wir entwickeln falsche Vorstellungen über die möglichen Erklärungen. Zu schnell versuchen wir, das Geschehen zu deuten, suchen nach Ursachen, nach Zusammenhängen – und nach einem Schuldigen. Und oft finden wir diese auch, nur sind es nicht die wahren Gründe.
Was in uns wirkt
Unsere Gefühle, Reaktionen und Beziehungen sind eng mit der Funktionsweise von Gehirn und Körper verbunden. Viele dieser Prozesse laufen automatisch ab – jenseits unseres bewussten Denkens. Das erklärt, warum sich bestimmte Muster oder Emotionen wiederholen, selbst wenn wir sie rational längst verstanden haben (oder eben wenn nicht).
Hier setzt meine Arbeit an:
Ich arbeite mit Ansätzen, die Kognition und Emotion, Verstand und Körper, Wissenschaft und Erfahrung miteinander verbinden. Wie in den obigen Beispielen sichtbar, es ist unentbehrlich auf dem Weg zur Heilung und Klarheit.
Wissenschaft und Erfahrung
Durch meine naturwissenschaftliche Studien und meine Promotion in Chemie verfüge ich über ein tiefes Verständnis dafür, wie biochemische und neurophysiologische Prozesse (sehr wichtig u.a.: Dopaminhaushalt*** und seine in der letzten Zeit tief erforschte sehr komplexe Rolle, an einem detaillierten Informations- und Gedächtnisprozess sowie in der Belohnungsvorhersage und daher Lernen und Motivation) unser Erleben beeinflussen – und wie wir auf dieser Ebene Veränderung anstoßen können. Es handelt sich um neuronale Verbindungen, welche Informationen beinhalten und bearbeiten und in bestimmten Situationen stimuliert und wie “vorprogrammiert”, aktiviert werden.
Man weiß oft, was einem guttut oder nicht, und muss Erfahrungen machen, um zu lernen. Aber tief gespeicherte Assoziationen und Erinnerungen können auch ohne erneutes Probieren dazu führen, dass bestimmte Situationen automatisch eine negative Belohnungsvorhersage auslösen. Das hängt mit Dopamin-Netzwerken im Gehirn zusammen: Wenn das Gehirn bereits erwartet, dass etwas schlecht oder gefährlich wird, bricht die Motivation ein, bevor überhaupt eine reale Erfahrung stattfindet. Selbst wenn man etwas versucht, weil man kognitiv weiß, dass es gut sein könnte, wird diese Erwartung bei jedem kleinen Trigger weiter ins Negative verschoben.
Dadurch können unbewusste oder nicht verarbeitete Erlebnisse das eigene Leben in eine Richtung lenken, ohne dass man es merkt. Manchmal werden Erfahrungen, die objektiv gar nicht so schlimm waren — oder die man mit genügend innerer Stabilität hätte besser bewältigen können — im getriggerten Zustand viel stärker erlebt. Sie addieren sich zu älteren Erfahrungen, und man erlebt die neue Situation so, als wäre sie eine Wiederholung der Vergangenheit, auch wenn sie das eigentlich nicht ist.
***: Dabei geht es nicht um Dopaminfasting oder das heute so virale Thema darum. Einige Kritiker argumentieren, dass dieses Konzept keine wissenschaftliche Grundlage hat und das eigentliche Problem der Dopamin-Dysregulation nicht löst. Außerdem steht Dopamin in diesem Zusammenhang gar nicht im Mittelpunkt, da es primär mit Wanting (dem Verlangen) und nicht mit Liking (dem tatsächlichen Mögen) zu tun hat. Doch bei so einem eingängigen Namen – wer könnte da schon widerstehen? Und das führt zu vielen Missverständnissen. Meiner Meinung nach ist dieses Konzept daher mit Vorsicht zu genießen, und in meinem therapeutischen Vorgehen findet es keinerlei Anwendung.
Doch Heilung entsteht nicht allein aus Wissen. Sie entsteht durch Begegnung, Bewusstheit und den Mut, sich selbst mit allem, was dazugehört, zu erkennen.
Selbsterkenntnis als erster Schritt
Selbsterkenntnis ist der Anfang dieses Weges – der Moment, in dem wir beginnen, uns selbst wirklich wahrzunehmen und zu verstehen.
Darauf aufbauend können weitere Methoden eingesetzt werden, um auch mit dem emotionalen Gehirn zu arbeiten – dort, wo tiefere und nachhaltige Veränderung möglich wird. Erst nachdem wir uns bewusst gemacht hatten, was wir erlebten, was auf uns einen Einfluss nimmt usw. kann man eventuelle Probleme auflösen.
Automatisierte Reaktionsmuster lassen sich in den meisten Fällen nicht vollständig eliminieren – genau aus den oben beschriebenen Gründen, da sie tief im Nervensystem verankert sind. Wesentlich ist vielmehr, sie bewusst wahrzunehmen, zu akzeptieren und in das eigene Erleben zu integrieren, um psychische Spannungen zu verringern und das persönliche Wohlbefinden zu fördern – insbesondere in jenen Lebensbereichen, die für uns von zentraler Bedeutung sind. So kann es etwa - um an dieser Stelle nur ein Beispiel zu nennen - bei Menschen mit Verlustängsten wichtig sein, genau dort Integration zu ermöglichen, wo Nähe und Bindung als schwierig erlebt werden – etwa im familiären oder partnerschaftlichen Kontext.
Auch wenn die Ansätze jener Zeit noch stark von der Psychoanalyse geprägt waren, zeigt sich doch – wie schon Freud andeutete –, dass psychische Prozesse untrennbar mit körperlichen Vorgängen verbunden sind. Heute wissen wir, dass sich seelische Erfahrungen in biologischen Strukturen und neurophysiologischen Prozessen widerspiegeln und dass Körper und Psyche ein wechselseitig wirkendes System bilden.
In diesem Sinne hat das, was der bekannte Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung vor über hundert Jahren formulierte, in meinen Augen bis heute nichts an Gültigkeit verloren:
„Bis wir uns das Unbewusste bewusst machen, wird es unser Leben lenken –
und wir werden es Schicksal nennen.“
— Carl Gustav Jung
Zur Klarheit und Abgrenzung: In dieser Betrachtung geht es nicht um schwerwiegende psychische Erkrankungen, bei denen eindeutige biologische Ursachen oder Funktionsstörungen des Gehirns und des Körpers vorliegen – etwa infolge körperlicher Erkrankungen, genetischer Faktoren oder Störungen im Hirnstoffwechsel. Solche Krankheitsbilder erfordern in der Regel eine medikamentöse Behandlung oder die Anwendung standardisierter, medizinisch-psychiatrischer Behandlungsprotokolle und können nicht, oder erst nach einer Stabilisierung und der Beseitigung der manifesten Ursachen, die gegenwärtig den Zustand bestimmen und daher im Vordergrund stehen – gleichgültig, welche individuellen oder biografischen Faktoren zu ihrer Entstehung geführt haben – mit den hier beschriebenen Ansätzen, wie Selbsterkenntnis, ganzheitlicher Betrachtung der Situation und des Erlebens sowie der Analyse der daraus entstehenden Muster, behandelt werden.. Auch wenn sich bestimmte Symptome auf frühere Lebensereignisse zurückführen lassen und diese die Ausprägung einer bestehenden Veranlagung beeinflussen oder verstärken können, handelt es sich hierbei dennoch um eigenständige Krankheitsbilder, die in den aktuellen psychiatrischen Klassifikationssystemen eindeutig beschrieben sind. Der Heilpraktiker für Psychotherapie ist verpflichtet, über diese Krankheitsbilder fundierte Kenntnisse zu besitzen, anhand der vorliegenden Symptome eine Differenzialdiagnose vorzunehmen, eine klare Entscheidung über geeignete Therapiemöglichkeiten zu treffen und den Klienten bzw. die Klientin gegebenenfalls darauf hinweisen, dass eine fachärztliche oder klinische Abklärung erforderlich ist und die Kontaktaufnahme mit entsprechenden Stellen anzuraten ist. Der Patient ist darüber aufgeklärt, dass sämtliche Behandlungsformen nach dem Heilpraktikergesetz keine Beratung/Untersuchung eines Arztes ersetzen.
Diese Abgrenzung erscheint mir wesentlich, um den fachlichen Rahmen meiner Tätigkeit eindeutig zu definieren und eine klare Positionierung im Verhältnis medizinisch-psychiatrischen Verfahren zu gewährleisten. Mein Ansatz versteht sich als komplementär und ressourcenorientiert, nicht als Ersatz für notwendige medizinische Interventionen.
In akuten / dringenden Krisen- oder Notfällen wenden Sie sich bitte umgehend an den ärztlichen Notdienst, den Krisendienst oder die Notaufnahme eines Krankenhauses.